Mit diesem Ratgeber möchte ich Euch ein paar Tipps und Tricks zu Aufnahmeprüfungen geben. Dabei ist es schon fast egal welche Art Aufnahmeprüfung Ihr macht. Aus gegebenem Anlass schreibe ich hier über die Aufnahmeprüfung an Hochschulen im Bereich Jazz/Rock/Pop (JRP). Ich denke aber viele Tips lassen sich auch auf andere Bereiche übertragen! Die hier genannten Tips und Tricks sind auch kein Allheilmittel! Auch wenn Ihr diese Ratschläge anwendet, kann es passieren dass Ihr keinen Studienplatz bekommt!

Gute Vorbereitung ist alles

Wer wenig/nicht vorbereitet ist, hat schlechte Karten. Eine gute Vorbereitung macht sicherlich 50% der Entscheidung über Bestanden/nicht Bestanden aus. Zur Vorbereitung gehören verschieden Dinge wie z.B. rechtzeitiges Bewerben, Auswahl der Stücke, Auswendiglernen des Textes, Kopien für die Begleiter etc. Da die meisten Aufnahmeprüfungen von April – August stattfinden, muss im Vorfeld schon einiges getan werden. Aufgrund der Tatsache dass es sehr wenig Plätze an den Hochschulen gibt, ergibt es Sinn sich bei vielen Hochschulen zu bewerben. Die Termine werden sich teilweise sowieso überschneiden und man kann nicht alle Prüfungstermine wahrnehmen. Macht Euch rechtzeitig schlau, welche Anforderungen an der jeweiligen Institution gefordert werden. (Hierbei ist es egal ob Ihr euch an Berufsfachschulen, Akademien, Hochschulen, o.ä. bewerbt). Nicht jede Hochschule hat dieselben Anforderungen! Bei manchen werden 3 Stücke aus verschiedene Stilen verlangt, bei anderen nur 2 oder gar 4. Manche erfordern neben dem JRP Programm auch einen klassischen Teil aus 1-2 Stücken, oder bei Sänger/Innen auch mal ein Gedicht oder vorgetragenen Text. Das Internet ist hier die beste Quelle, denn fast jede Institution hat eine Internetseite mit genau diesen Informationen. Hier empfiehlt es sich, ein Programm zu erstellen dass jeweils alle Bereiche abdeckt. Wenn eine Hochschule zwei klassische Stücke zusätzlich haben will, alle anderen aber nur eins, dann solltet Ihr einfach zwei Vorbereiten. Genauso verfährt man in den anderen Bereichen. Am Schluss habt Ihr ein Programm erstellt, dass vielleicht für manche Hochschulen zu viel ist, für andere aber genau richtig. Auf jeden Fall seid Ihr so auf der sicheren Seite. Verfasst dies auf einem schönen A4 Papier in einer schönen Schrift (Computer oder Hand), und legt es der Prüfungskommission vor. Ihr seid vorbereitet und Sie können wählen was Sie hören wollen. Es hinterlässt einfach keinen guten Eindruck, wenn in der Aufnahmeprüfung dann ein zweites Stück verlangt wird, Ihr aber nur eins vorbereitet hattet. Würdet Ihr einen Studienplatz an jemanden vergeben, der nichtmal die Prüfungsanforderungen richtig gelesen hat?

KA? ME? ML? PM? Bitte was?

Überlegt euch gut, welche Fachrichtung Ihr studieren möchtet. Auch hier sollten die Internetseiten der Hochschulen die erste Anlaufstelle sein. Die Studiengänge sind auch von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Man muss hier objektiv sein! Auch wenn man am liebsten nur die „Künstlerische Ausbildung“ (KA) in Betracht zieht, sollte man sich überlegen ob man auch tatsächlich das Niveau hat! In vielen Hochschulen ist der KA Studiengang ein Aufbaustudiengang, der nur belegt werden kann, wenn man schon ein abgeschlossenes Musikstudium (Schulmusiker, Bachelor, Musikerziehung, Musiklehrer) hat, oder zumindest auf dem selben Niveau steht. Es ist keine Schande (auch wenn man gerne KA studieren würde) dann doch den Studiengang Musikerziehung (ME), Musiklehrer (ML) oder Popular Music (PM, derzeit nur in Hannover möglich) zu wählen. Machen wir uns nichts vor: 99% der Musiker werden NICHT berühmt und können allein von Plattenverkäufen und Konzerten leben. Das heißt aber auf keinen Fall dass 99% aller Musiker schlecht sind. In der heutigen Zeit muss man eben mehrgleisig fahren. Neben den Konzerttätigkeiten ist ein gutes und solides Standbein wie es uns das Unterrichten ermöglicht unerlässlich. Aus dieser Überlegung heraus ist es sehr sinnvoll schon im Studium den Pädagogik und Methodik Unterricht zu genießen, wofür auch die Studiengänge wie z.B. Musikerziehung und Musiklehrer gemacht sind.

Begleiter

Auch hier gilt es sich zu Informieren! Wird ein Begleiter/Band gestellt? Müsst Ihr eine eigene Band mitbringen? Ist ein Playback erlaubt? Wieviel Leute sind in der Band und brauchen Noten/Lead Sheets? Die Bands die gestellt werden sind keine MusicBoxen! Es sind meist selbst Studierende, die teilweise recht wenig Erfahrung und Repertoire-Wissen haben! Von daher müsst Ihr ordentliche Noten bzw. Lead Sheets abliefern! Mehr dazu im nächsten Absatz… Wenn die Band schlecht begleitet, liegt es oft einfach an den schlechten Noten und Lead Sheets!

Selbst Begleiten?

Das kann man auch nicht pauschal beantworten. Es ist natürlich nicht schlecht wenn man sich als Sänger/In selbst begleiten kann. Dazu würde ich aber ein Stück wählen, das auch absolut sicher läuft! Wenn man beim Begleiten ins Stocken kommt, wird somit meistens auch der Gesang schlechter. Hier wäre es dann sinnvoller, wenn man sich begleiten lässt. Anders ist es wieder, wenn die Begleitung sehr schwer ist, und vom Pianisten in der kurzen Zeit nicht gut gespielt werden kann.

Komplett ausnotiert oder Lead Sheets?

Klipp und Klar: Kommt darauf an! Versetzt euch in die Lage eines Begleiters! Ihr bekommt ein Lead Sheet eines Stückes vorgesetzt dass Ihr nicht kennt. Das Ihr nicht einmal zuordnen könnt, in welcher Stilrichtung das Stück gespielt werden soll, da auf dem Blatt keine Anmerkung gemacht wurde. Und schon gehts los, die Prüfungskommission drängt endlich anzufangen… Kann das richtig gut werden? Nein, ich glaube nicht. Anderes extrem: Der Bewerber gibt dem Pianisten einen 8-seitigen ungeklebten, unsortierten Blätterhaufen. Die ersten 5 Minuten ist der Pianist beschäftigt, sich die Blätter zu ordnen, und auf dem viel zu kurzen Notenständer des Flügels oder Klaviers aufzustellen. Jetzt sieht man ein 6/8tel Stück mit einer komplizierten Begleitung in der linken Hand, und in der rechten Hand die Dopplung der Melodiestimme. Pro Takt sind um die 14 Noten + Dynamikzeichen zu lesen. Auch hier drängt die Prüfungskommission endlich anzufangen, der Pianist konnte aber gerade erst den 1. Takt entziffern. Auch das würde nicht richtig gut werden. Eine gute Möglichkeit wäre: Schreibt ein ordentliches Lead Sheet. Darauf sollte nur das wichtigste stehen. Gibt es markante Stellen z.B. in der Klavierbegleitung, notiert Sie auf (evtl. vereinfacht). Rhythmische Akzente sollten ebenfalls vermerkt sein. Vergesst nicht Angaben wie Tempo und Stilrichtung (Swing, Pop Ballade, Bossa Nova etc.). Der Ablauf sollte sich aus dem Sheet ergeben. Markiert wichtige Stellen und Zeichen (z.B. D.S. al Coda) mit einem farbigen Marker, damit die Stellen zu denen man bei der Wiederholung springen muss leicht zu sehen sind. Wenn es mehrseitige Sheets werden, klebt Sie ordentlich zusammen. Lasst nur einen Windstoss durch den Prüfungsraum wehen, und die gesammelten Noten liegen auf dem Boden und müssen von Neuem sortiert werden. Ach ja: Die wenigsten können vom Blatt transponieren! Von daher solltet Ihr die Sheets in der Tonart schreiben, in der Ihr den Song auch spielen wollt! Falls Ihr absolut keine Ahnung habt, wie Ihr ein Lead Sheet schreiben sollt: Sucht jemanden der Euch das erklärt, bzw. mit dem Ihr das zusammen machen könnt. Dazu könntet Ihr z.B. eine Anzeige bei musiker-sucht.de aufgeben. Es gibt sicherlich genug Leute die Euch unter die Arme greifen würden!

Wie geht man mit der Band um ?!

Vor jedem Stück hat man meistens die Zeit noch ein paar Worte an die Band zu richten. Hier könnt Ihr nochmal (zusätzlich zum Lead Sheet) auf wichtige Stellen, Kicks oder Ablaufstellen hinweisen. Ihr könnt auch dem Schlagzeuger z.B. kurz den Beat vorsingen, den Ihr euch vorstellt. Dann: Sammelt Euch kurz und zählt selbst und bewusst ein! Nehmt hier kein Metronom, sondern stellt Euch den Song im Kopf vor. Singt innerlich das Intro, die Strophe oder den Chorus. Zählt nicht zu leise ein, damit auch der Schlagzeuger der hinter Euch sitzt genug hören kann. Das Einzählen ist extrem wichtig! Das bereitet Euch selbst, wie auch die Begleiter auf den Song vor. So werden die ersten Takte nicht verschwendet, dass die Band Ihr Tempo findet, bzw. erst die Stilrichtung klar wird.

Rückschläge!

Eine Aufnahmeprüfung bestehen (jawohl „bestehen“!) oder nicht zu bestehen heißt GAR NICHTS! Es gibt keine Aussage darüber ob Ihr gute Musiker seid oder ob Ihr etwas könnt oder nicht. Es gibt Faktoren die hier eine Rolle spielen, auf die Ihr überhaupt keinen Einfluss habt. Da es meistens sehr viele Bewerber auf sehr wenig Plätze gibt (kommt natürlich auf die Fachrichtung und das Instrument an), können gar nicht alle guten Leute einen Platz bekommen. Wie so oft: Es ist auch eine Portion Glück dabei. Man darf sich hier nicht entmutigen lassen. Seid gut vorbereitet und gebt Euer Bestes. Mehr könnt Ihr nicht tun!

Prüfungsangst

Braucht es nicht zu geben. Die Prüfer wollen Euch nichts böses und werden Euch auch nicht fressen. Sie sind zufrieden, wenn Sie jemanden hören der Spaß am Musik machen hat und nicht vor Angst zerläuft. (Ich weiß, dass ist leichter gesagt als getan). Seht es eher als Konzert! Gebt zum besten wofür Ihr in den Monaten davor gearbeitet habt!

Was wenns nicht klappt?

Wenn Ihr alle Tips und Tricks hier beachtet habt, und es klappt trotzdem nicht: Weiterversuchen! Überlegt objektiv, woran es gelegen haben könnte. Teilweise bekommt man ja auch durch die Kommission ein Feedback über das Dargebotene. Holt euch objektive Beurteiler (nicht die Eltern, Geschwister, Familie, etc. Die finden alles gut!). Wie schon gesagt: Es sagt nichts über Eure Musikalität aus, ob Ihr eine Aufnahmeprüfung besteht oder nicht.

Absolute No go’s bei einer Aufnahmeprüfung!

  • Nach dem Betreten des Prüfungsraumes, erstmal die Blätter sortieren…
  • Zuwenig Kopien für Begleiter haben
  • Einzählen mit Metronom: Nichts ist unmusikalischer als sich das Tempo vom Metronom geben zu lassen!
  • Unhöflichkeit! Sich erstmal das „Du“ herausnehmen.
  • Kaugummis raus. Das ist auch unhöflich. Vor allem beim Singen.
  • Unvorbereitet sein!
  • Texte ablesen oder nicht auswendig spielen

Falls Ihr weiter Anregungen oder Kritiken zu diesem Artikel habt: Schreibt mir Diese an info@musiker-sucht.de

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